Talentmanagement

Soft Skills: unabdingbar in einer digitalisierten Welt

hand holding wooden crayons in front of a blue sky

Mit der zunehmenden Verbreitung und Entwicklung von KI-Technologien wird es für Arbeitnehmer immer wichtiger, kreative, zwischenmenschliche
und Problemlösungsfähigkeiten zu entwickeln, die sie als Menschen von künstlicher Intelligenz unterscheiden. Diese Fähigkeiten werden im Allgemeinen als Soft Skills bezeichnet.

Doch was genau sind „Soft Skills“? Welche Kompetenzen fallen unter diese Bezeichnung, und wie können sie von Arbeitgebern gefördert werden?

Verschiedene Arten von Soft Skills

Der Begriff „Soft Skills“ bezieht sich auf Kompetenzen, die von den meisten Menschen tagtäglich genutzt werden, jedoch nur schwer zu definieren und zu messen sind. Solche Fähigkeiten sind stets aktuell und behalten ihren Wert ganz unabhängig von technologischem Wandel und sonstigen Neuerungen am Arbeitsplatz. Bis zu einem gewissen Grad sind sie „angeboren“, das heißt, sie sind Teil der Persönlichkeit eines Menschen und wurden nicht eigens erlernt. Mithilfe von Schulungen und beruflicher Erfahrung können Soft Skills jedoch ausgebaut und gefördert werden.

Das Europäische Jugendportal unterteilt Soft Skills in drei Kategorien:

Kommunikationsfähigkeit

Hierbei handelt es sich um Kompetenzen, mithilfe derer Beziehungen zwischen Einzelpersonen und innerhalb von Gruppen aufgebaut werden. Da sie auf emotionaler Intelligenz aufbauen, können sie von KI nicht so einfach reproduziert werden.

Am Arbeitsplatz können Kommunikationsfähigkeiten beispielsweise in folgenden Kompetenzen bestehen:

  • Aktives Zuhören
  • Empathie
  • Schreibkompetenz
  • Teamarbeit
  • Führungsqualitäten

Kreativität

Unter Kreativität versteht man Abläufe im menschlichen Gehirn, bei denen spontan neue Ideen entstehen. Diese menschliche Fähigkeit hat KI bisher noch nicht erlangt. In einer kürzlich veröffentlichten Publikation  schreibt Anton Oleinik von der Memorial University of Newfoundland, dass das menschliche Gehirn künstliche neuronale Netzwerke beim Thema Kreativität in drei Bereichen übertrifft: Erkennen und Interpretieren von Symbolen, Modellieren sozialer Aktionen und Treffen von Vorhersagen.

Analytische Fähigkeiten

Auch einige komplexe analytische Fähigkeiten zählen zu den Soft Skills. Dazu gehören:

  • Entscheidungsfindung
  • Eigenmotivation
  • Zeitmanagement
  • Problemlösung

Der Stand von Soft Skills in der heutigen Arbeitswelt

Nachdem wir nun definiert haben, worum es sich bei Soft Skills handelt, möchten wir uns den aktuellen Stand in der Arbeitswelt genauer ansehen. Erreichen Unternehmen und Arbeitnehmer ihre Ziele in Bezug auf Soft Skills?

Allgemein lässt sich sagen, dass sich einiges noch besser machen ließe. Die Abweichung zwischen den Kompetenzen, über die das Personal derzeit verfügt, und denjenigen Qualifikationen, die von den Arbeitgebern benötigt werden, wird als „Skills Gap“ bezeichnet. In der „European Skills and Jobs Survey“ von Cedefop hat sich gezeigt, dass mehr als 30 Prozent der europäischen Arbeitnehmer nicht über die erforderlichen Kompetenzen für ihre Stelle verfügen. 45 Prozent der Erwerbstätigen sind der Ansicht, dass ihre Fähigkeiten besser gefördert werden oder zum Einsatz kommen könnten.

Ein Bericht aus dem Jahr 2018 in dem die Ergebnisse oben genannter Studie analysiert wurden, kommt zu dem Ergebnis, dass es unter anderem an Kompetenzen im Bereich Planung, Anpassungsfähigkeit und kritisches Denken mangelt. Diese Kompetenzen sind in einer digitalen Arbeitsumgebung mit großen Mengen an
Daten besonders bedeutend. Auch Team- und Zusammenarbeit sowie Führungsqualitäten sind in den zunehmend horizontalen Hierarchien in Unternehmen sehr gefragt. In Bereichen mit Stellenzuwachs gehören Planung und Organisation, Problemlösung, Kommunikation und Teamarbeit zu den wichtigsten Soft Skills.

 

Warum sind Soft Skills so wichtig?

Wir wissen nun, was Soft Skills sind, und haben gesehen, dass zwischen den benötigten und den derzeit vorhandenen Kompetenzen eine „Skills Gap“ besteht. Im nächsten Abschnitt möchten wir uns näher mit dem Bedarf an Soft Skills auf dem Arbeitsmarkt befassen.

Nachfrage in der Arbeitswelt

Daten der National Association of Colleges and Employers in den USA zeigen, dass Soft Skills Arbeitnehmern sehr wichtig sind.

  • 83 Prozent der Befragten gaben an, sie erwarteten im Lebenslauf von Bewerbern „Problemlösungsfähigkeiten“,
  • 83 Prozent „Teamfähigkeit“,
  • 80 Prozent „schriftliche Ausdrucksfähigkeit“,
  • 73 Prozent „Führungsqualitäten“,
  • 68 Prozent „Arbeitsethik“.

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass Soft Skills Arbeitgebern sogar wichtiger sind als Hard Skills wie beispielsweise „analytische/messbare Kompetenzen“ (67,5 Prozent), „technische Kompetenzen“ (60 Prozent) oder „EDV-Kenntnisse“ (50 Prozent).

Darüber hinaus sind Soft Skills überall im Unternehmen gefragt. Eine Studie des beruflichen Netzwerks LinkedIn ergab, dass „Kommunikations-“ und „Organisationskompetenzen“ bei Berufsanfänger am meisten gefragt sind. Bei Managern zählen vor allem „Kommunikationsfähigkeit“ und eine „freundliche Persönlichkeit“. Und für Abteilungsleiter und Direktoren kommt es auf „Teamarbeit“ und „Pünktlichkeit“ an.

Zunehmende Bedeutung im Zeitalter von KI

Wie oben beschrieben, wird eine zunehmend große Zahl an Mitarbeitern in den kommenden Jahrzehnten sowohl Schulungen in Soft Skills als auch in Hard Skills benötigen, um die vorhandenen Kompetenzlücken zu schließen.

Schon heute stehen Soft Skills bei Arbeitgebern hoch im Kurs. Mit der weiteren Entwicklung der Technologien wird sich diese Tendenz noch verstärken, da diese Art von Kompetenzen nur schwer zu automatisieren ist. Dies wird nicht zuletzt durch die Tatsache deutlich, dass die am schwierigsten zu automatisierenden Berufe
genau mit den Berufen überlappen, bei denen die meisten Soft Skills benötigt werden.

Zu den Feldern, bei denen es am unwahrscheinlichsten ist, dass „der Personalbestand auf Grund von Automatisierung reduziert“ wird, gehören unter anderem das Gesundheitswesen und Beratungsdienstleistungen. Auch in verwandten Bereichen wie Gesundheit, Wellness und Fitness oder dem Personalwesen sind Soft Skills
unabdingbar*. Dabei ist der Bedarf an Soft Skills keineswegs auf diese Berufsfelder beschränkt. Derartige Kompetenzen werden in allen Branchen benötigt und ihr Erwerb kann sich in den verschiedensten Unternehmen als nützlich erweisen.

man looking through a camera lens

Schwierigkeiten bei der Erfassung von Soft Skills

Abschließend betrachten wir einige der Herausforderungen, mit denen sich Unternehmen bei der Entwicklung von Soft Skills konfrontiert sehen. Soft Skills sind zwar sehr gefragt, oft haben Arbeitgeber jedoch Schwierigkeiten die vorhandenen Kompetenzen bei ihrem Personal zu erfassen. Auch die Erstellung eines effektiven
Schulungsprogramms ist für sie nicht immer leicht.

Entwicklungsziele

Wie wir gesehen haben, benötigen und verlangen Arbeitgeber Soft Skills, obgleich bei vielen Berufseinsteigern diesbezüglich Kompetenzlücken vorhanden sind. Insofern besteht definitiv Bedarf an Schulungen am Arbeitsplatz.

Kompetenzentwicklungsprogramme nutzen sowohl Arbeitnehmern als auch Arbeitgebern. Und Mitarbeiter sind durchaus an der Entwicklung ihrer Kompetenzen interessiert: In einer Deloitte-Umfrage unter Millennials waren 63 % der Teilnehmer der Ansicht, dass ihre Führungskompetenzen auf der Arbeit nicht vollständig ausgebildet werden. Mitarbeiter sehen in der Kompetenzentwicklung eine Form der Karriereentwicklung, was laut einer Studie aus dem Jahr 2018 der zweitwichtigste Faktor für die Mitarbeiterbindung ist.

Auf Arbeitgeberseite haben Investitionen in die Kompetenzentwicklung viele klare Vorteile – die Schulung von Mitarbeitern kann zwar ein Jahr dauern, kostet jedoch gerade mal ein Sechstel von dem, was eine Neueinstellung kosten würde.  In Deloittes Human Capital Trends Report 2019 hielten 86 Prozent der Führungskräfte Weiterbildung für „wichtig“ oder „sehr wichtig“ (auch wenn nur 46 Prozent meinten, ihr Unternehmen sei für diese Herausforderung „gewappnet“
oder „sehr gut gewappnet“). Wenn sie die Wahl zwischen der Schulung vorhandener Mitarbeiter und Neueinstellungen hätten, würden 77 Prozent der Befragten „eindeutig“ oder „tendenziell“ die Weiterbildung vorziehen

Mit Talentsofts Tool Kontinuierlicher Dialog können Soft Skills auch in dezentral organisierten Unternehmen besser erfasst werden. Kontinuierlicher Dialog ist eine einfache und flexible cloudbasierte Anwendung für den Austausch zwischen Managern und Mitarbeitern einschließlich Feedback und Beurteilungen durch Kollegen. Ihr Zweck besteht in einem projektbasierten, Sinn stiftenden Ansatz auf Basis der OKR-Methodik (Objectives und Key Results – Ziele und Schlüsselergebnisse). Die Daten aus Kontinuierlicher Dialog stellen eine wertvolle Informationsquelle dar, mithilfe derer Manager ihre Mitarbeiter besser einschätzen können.
Kontinuierlicher Dialog ist Teil von Talentsofts Leistung & Kompetenzen-Suite, die auch weitere Tools wie Beurteilungsformulare, soziales Feedback und ein Beitragspanel umfasst.

Herausforderungen bei der Entwicklung von Soft Skills

Während die Entwicklung von Soft Skills durchaus wünschenswert ist, kann ihr nicht messbarer Charakter bei der Erstellung eines Weiterbildungsprogramms
eine wahre Herausforderung darstellen.

Eine potenzielle Schwierigkeit liegt in der Erfassung der Soft Skills des Personals. In kleinen Teams können Manager vorhandene Soft Skills auf Grundlage ihrer persönlichen Kenntnis der Mitarbeiter und deren Verhalten sowie von regelmäßigen Leistungsbeurteilungen erfassen. Diese Bewertung ist jedoch naturgemäß ein wenig subjektiv und liefert nicht immer genaue Ergebnisse – zum Beispiel können sich Mitarbeiter gegenüber ihrem Manager anders verhalten als gegenüber Kollegen, insbesondere wenn es um Leistungsbeurteilungen geht. Außerdem mögen manche Mitarbeiter ganz selbstverständlich mit ihren Sorgen zu ihren Vorgesetzten kommen oder diese um Rat fragen, während andere Mitarbeiter dies lieber für sich behalten.

In Großunternehmen ist die Herausforderung bei der Erfassung von Soft Skills noch größer. Denn Manager mögen zwar sehr vertraut mit den Teams sein, mit denen sie direkt zusammenarbeiten, aber vermutlich nicht mit allen Mitarbeitern im Unternehmen. Potenzielle Probleme und Möglichkeiten zur Zusammenarbeit sind im großen Maßstab daher schwer zu erfassen.

Sobald es den Managern gelungen ist, die derzeitigen Kompetenzen der Mitarbeiter zu erfassen, können sie die Chancen und Kompetenzlücken bei ihrem Personal besser verstehen. Sie können dann einen Kompetenzentwicklungsplan mit Schwerpunkt auf Soft Skills erstellen, um dem Bedarf des Unternehmens gerecht zu werden.